Kooperation als Arbeitsweise der Zukunft: Das BRÜNIG FORUM 2026 setzt ein klares Zeichen

Am BRÜNIG FORUM Wald Holz Wirtschaft 2026 trafen sich am 30. Januar rund 120 Fachpersonen aus Praxis, Politik, Forschung und Architektur in der emmental Versicherung Arena in Langnau i.E., um über die Zukunft von Wald und Holz zu diskutieren. Die vierte Ausgabe des Forums zeigte deutlich: Kooperation darf keine Parole bleiben – sie ist die zentrale Arbeitsweise, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern.

Fachkräfte, Nachwuchs und die Realität im Wald

Der Vormittag stand klar im Zeichen der Fachkräftesicherung. Daniel Landolt eröffnete mit einem prägnanten Realitätscheck aus der Waldpraxis: Der Fachkräftemangel ist regional unterschiedlich, aber überall spürbar – mit Ursachen, die von hohen Belastungen über tiefe Löhne bis zu mangelnden Entwicklungsperspektiven reichen. Sein Appell lautete, Weiterbildung müsse sich lohnen und bessere Arbeitsbedingungen seien ein entscheidender Hebel, um Fachkräfte zu binden.

Michael Raaflaub zeigte, wie stark Sichtbarkeit und digitale Suchmechanismen heute das Berufswahlverhalten prägen. Wer junge Menschen für die Wald- und Holzberufe gewinnen will, muss präsent sein, einfach kommunizieren und dort auftreten, wo die Zielgruppen tatsächlich unterwegs sind. Wie effektiv gemeinsame Auftritte sein können, verdeutlichte Fabienne Wey am Beispiel des starken Messeauftritts von Wald und Holz an der ZEBI, der Zentralschweizer Bildungsmesse.

Innovation braucht Räume – die Workshops von BFH und HSLU

In den Workshops von BFH und HSLU wurde sichtbar, welch grosses Potenzial in engerer Zusammenarbeit liegt. Milena Daphinoff stellte den Timber Start-up Incubator vor, der künftig auch KMU stärker einbeziehen soll. Die Teilnehmenden forderten mehr Wissenstransfer, Zugang zu Testinfrastrukturen und breitere Wertschöpfungsnetze.

Pascal Wacker zeigte mit dem Circular Time Lab, wie interdisziplinäre Kooperation bereits in der Ausbildung verankert werden kann. Diskutiert wurden unter anderem materialgerechtes Bauen, Klimaanpassung, wirtschaftliche Bewertung sowie neue Kommunikationsformen und praxisnahe Reallabore.

Holz als Identität stiftendes Element

Am Nachmittag sprach Peter Jakob, Präsident der SCL Tigers und VRP von Jakob Rope Systems, über Unternehmenskultur, Verantwortung und Mut zu neuen Wegen. Die anschliessende Arena-Führung zeigte den Stellenwert des Holzbaus im regionalen Kontext.

In den abschliessenden Fachreferaten führten Michael Rolli und Markus Gerber anschaulich vor Augen, wie Holzbau heute funktioniert: als Verbindung von Region, Architektur und Zusammenarbeit. Rolli zeigte am Beispiel der Ilfishalle, wie Holz räumliche Identität erzeugt und wie Kooperationen – etwa im Sponsoring oder in der Zwischennutzung – kreative Lösungen ermöglichen. Gerber legte dar, weshalb erfolgreiche ARGE-Projekte frühzeitige und transparente Zusammenarbeit erfordern, mit klaren Rollen und Respekt für die jeweiligen Expertisen.

Im Dialog mit der Architektur machte Jolanda Brunner deutlich, dass Hürden im Holzbau weniger ideologische, sondern pragmatische Fragen sind: Verfügbarkeit, Kosten, Dauerhaftigkeit, sommerlicher Wärmeschutz. Hier brauche es gemeinsame Faktenlagen, verlässliche Kommunikation und mehr Dialog. Die neu entstandene Plattform www.holzkoepfe.ch soll mithelfen, Vorbehalte abzubauen.

Politik und Wirtschaft im Dialog

Ein Höhepunkt des Forums war der politische Austausch mit Bundesrat Albert Rösti und Regierungsrat Josef Hess. Rösti stellte dar, welche Bedeutung die Wald- und Holzstrategie 2050 für die Anpassung an den Klimawandel, für Versorgungssicherheit und nachhaltige Ressourcennutzung hat. Josef Hess betonte den langen Prozess der Erarbeitung und die Wichtigkeit der Massnahmen, die die Strategie erst in den Alltag integrieren lässt.

Die anschliessende Podiumsdiskussion machte deutlich, dass die neue Wald- und Holzstrategie zwar breit angelegt ist, in der Umsetzung jedoch an fehlenden Prioritäten leidet. Mehrere Teilnehmende wiesen darauf hin, dass der Anspruch, die Leistungsfähigkeit des Waldes zu steigern, in Widerspruch zu Massnahmen stehe, die ohne klare Gewichtung teilweise kontraproduktiv wirkten. Die Strategie vereine zwar Biodiversität, Schutzwald und Holzproduktion, aber es fehlen Ansätze, die für eine wirksame Umsetzung nötig wären. Regierungsrat Josef Hess bestätigte, dass eine Priorisierung politisch nicht erreichbar war.

Aus Sicht der Industrie besteht die grösste Dringlichkeit klar darin, die Holzproduktion zu stärken. Da die Waldwirtschaft vielerorts defizitär ist, müsse die wirtschaftliche Nutzung im Zentrum stehen. Der sogenannte Handlungsspielraum ein – das Herzstück der Strategie – müsse deshalb gezielt weiterentwickelt werden, etwa bei Erschliessungen oder beim Einsatz klimatoleranter Gastbaumarten. Nur so könne verhindert werden, dass Holz zum Koppelprodukt degradiert werde.

Das Fazit der Diskussion lautete: Die Strategie wird von der Branche im Grundsatz gutgeheissen, lässt aber die Richtung vermissen. Für die Zukunft muss die wirtschaftliche Nutzung des Waldes wieder stärker fokussiert und der Handlungsspielraum ein konsequent gestärkt werden.

Kooperation als Arbeitsweise

Das BRÜNIG FORUM 2026 hat gezeigt, dass die Herausforderungen der Branche nicht isoliert gelöst werden können. Nachwuchsgewinnung braucht gemeinsame Sichtbarkeit, Innovationskraft braucht vertrauensvolle Räume, und Wettbewerbsfähigkeit entsteht dort, wo Akteure ihre Stärken verbinden. Diese Erkenntnisse zogen sich durch alle Referate, Diskussionen und Workshops des Tages. In der Kernaussage des Forums bündelt sich dieser Geist: Kooperation ist keine Parole, sondern die zentrale Arbeitsweise für die Zukunft.

Publikationsdatum

02.02.26 | Medien, News

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