Am frühen Mittwochabend versammelten sich im Spittelsaal des Berner Generationenhauses Fachleute aus Architektur, Planung, Forstwirtschaft und Immobilien, um über die Zukunft des Bauens mit Schweizer Holz zu diskutieren. Das Podium «Schweizer Holz und Architektur», organisiert im Rahmen von Lignum Bern Mitte, bot eine kompakte und zugleich vielfältige Auseinandersetzung mit Chancen und Herausforderungen des Holzbaus.
Kompakte Inputs – grosse Themen
Nach der Begrüssung durch Pius Renggli (holzprojekt AG) eröffneten vier Expert:innen mit pointierten Kurzreferaten im Pecha-Kucha-Format die Diskussion. Kyra Pauli (Forstrevier Diemtigtal), Prof. Urs Thomas Gerber (BFH), Moritz Zwahlen (EPRO Engineering) und Alina Ramseier (holzprojekt AG) spannten dabei den Bogen vom Wald über die Verarbeitung bis hin zur Planungspraxis.
Die Inputs machten deutlich: Holz ist längst kein Nischenprodukt mehr – technisch, ökologisch und gestalterisch überzeugt der Baustoff auf ganzer Linie. Gleichzeitig wurde klar, dass der Holzbau vor weniger offensichtlichen Hürden steht.
Kein Imageproblem – ein Prozessproblem
In der anschliessenden Podiumsdiskussion, moderiert von Kathrin Merz (Bauart Architekten und Planer AG), kristallisierte sich eine zentrale Erkenntnis heraus: Dass heute nicht mehr mit Holz gebaut wird, liegt kaum an mangelnder Überzeugung – sondern vielmehr an Prozessen.
Verfügbarkeit und Kosten bleiben entscheidende Faktoren. Insbesondere grössere Holzmengen sind oft nicht zum gewünschten Zeitpunkt verfügbar. «Holz scheitert selten am Willen, sondern an der Umsetzung», brachte es ein Architekt auf den Punkt. Diese Diskrepanz zwischen Planung und Realisierung wurde mehrfach betont.
Wirtschaftlichkeit und Wahrnehmung
Auch Investorenperspektiven kamen zur Sprache: Sie stellen sich die Frage, ob Nutzerinnen und Nutzer den Unterschied zwischen einem «einfachen» und einem technisch hochentwickelten Holzbau überhaupt wahrnehmen. Gleichzeitig wurde kritisiert, dass Finanzierungsmodelle häufig zu kurz greifen: Der Fokus liege oft einseitig auf den Investitionskosten, während tiefere Unterhaltskosten bei Holzbauten zu wenig berücksichtigt würden.
Holz überzeugt – technisch und ökologisch
Prof. Urs Thomas Gerber unterstrich die ausgezeichnete Ökobilanz von Holz – insbesondere im Massivholzbau. Auch verleimte Produkte wie Brettschichtholz schneiden gut ab. Der Einsatz von Leim sei im Kontext der Nachhaltigkeit nicht grundsätzlich negativ zu bewerten, sondern eröffne vielmehr die Möglichkeit, auch Holz mit geringerer Qualität sinnvoll zu nutzen und damit zusätzliche Absatzkanäle für die Forstwirtschaft zu schaffen.
Normen als Chance – mit Entwicklungspotenzial
Ein wichtiges Thema war die neue SIA-Norm 390.1, die von den Beteiligten als «Steilpass» für den Holzbau bezeichnet wurde. Sie zwingt dazu, den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks stärker in die Bewertung einzubeziehen und unterstützt damit die Erreichung von Klimazielen sowie die Nutzung von regionalem Holz.
Gleichzeitig wurde kritisch angemerkt, dass die zugrundeliegenden Lebensdauermodelle zu wenig differenziert seien. Holz halte oft deutlich länger, als es in den Berechnungen abgebildet sei. Hier bestehe Bedarf, künftig stärker über reale Zeitachsen zu diskutieren.
Ganzheitlich denken – intelligent bauen
Ein wiederkehrendes Motiv war der Wunsch nach einem ganzheitlicheren Blick auf den Bauprozess. Es reiche nicht, Materialien isoliert zu beurteilen – vielmehr müsse «Äpfel mit Äpfeln» verglichen werden. Holz habe dort seine Stärke, wo es sinnvoll eingesetzt wird – ebenso wie Stein oder Lehm in anderen Kontexten.
Auch das Thema Wiederverwendung (Reuse) wurde angesprochen: Statt Gebäude bis in kleinste Teile rückzubauen, sollte der Fokus auf sinnvoll nutzbaren Bauelementen liegen.
Neue Kompetenzen gefragt
Eine These sorgte für besondere Aufmerksamkeit: Der Architektur fehle teilweise noch die Kompetenz, konsequent mit vorhandenen Bauteilen und regionalen Ressourcen zu planen. Dieses Umdenken stehe noch am Anfang, werde aber zunehmend Teil der Ausbildung und Praxis.
Blick in die Zukunft
In der abschliessenden Runde wagten die Podiumsteilnehmenden kaum konkrete Prognosen. Zu komplex sind die Entwicklungen, zu dynamisch die Rahmenbedingungen. Eine Stimme blieb jedoch besonders hängen:
Ein Vertreter der Waldbesitzer formulierte eine klare Hoffnung:
«Ich wünsche mir, dass wir in 20 Jahren darüber sprechen, dass alle, die heute auf Holz gesetzt haben, genau das Richtige getan haben.»
Ausklang mit Austausch
Beim anschliessenden Apéro wurde die Diskussion in persönlicher Atmosphäre weitergeführt. Der Anlass zeigte: Der Holzbau hat enormes Potenzial – doch damit es sich entfalten kann, braucht es neue Denkweisen, verbesserte Prozesse und ein gemeinsames Verständnis über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
Fazit: Holz ist bereit. Nun gilt es, auch die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass der Baustoff seine Stärken voll ausspielen kann.


















